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Montag, 15 Juli 2013 09:57

Pastor bat Rheder kräftig zur Kasse

Mitten in der Kirche zeigt Heimatforscher und Buchautor Albert Vinke die 100 Jahre alte Festschrift zur Einweihung sowie ein Foto vom Kircheninneren, wie es 1913 hergestellt wurde. Fotos/Repros: Gerd Schade Mitten in der Kirche zeigt Heimatforscher und Buchautor Albert Vinke die 100 Jahre alte Festschrift zur Einweihung sowie ein Foto vom Kircheninneren, wie es 1913 hergestellt wurde. Fotos/Repros: Gerd Schade
Bauern zahlten bis zu 6000 Mark für Kirchenbau vor 100 Jahren – Heimatforscher schreibt „Dom“-Buch Rhede. . . . und der Bischof hat keinen Pfennig dazubezahlt. Frei nach einem angestaubten Spruch aus der Fernsehreklame für einen Brillenanbieter hat sich vor Jahrhundertfrist das Bistum Osnabrück verhalten, als es um die Finanzierung des Neubaus der St.-Nikolaus-Kirche in Rhede ging. Der örtliche Heimatforscher Albert Vinke
hat bei den Recherchen für sein neues Buch „Der Rheder Dom“ jedenfalls keinen entsprechenden Nachweis gefunden. Dafür fördert Vinke in seinem gut 200-seitigen Werk anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Gotteshauses lesenswerte Begebenheiten aus der Rheder Kirchengeschichte zutage. Ein Jahr hat Vinke an dem Buch gearbeitet. Am 22. August soll es offiziell vorgestellt werden. Die Jubiläumsfeierlichkeiten finden am Wochenende 24./25. August statt. Die Kirche war am 26. August 1913 feierlich eingeweiht worden. Vorangegangen waren nicht nur zwei Jahre Bauzeit, sondern auch eine Standortfrage sowie Wege der Finanzierung, bei der sich die Kirchengemeinde Vinke zufolge beinahe übernommen hätte. Überhaupt hätte das ehrgeizige Vorhaben die Gläubigen der Emsgemeinde vorübergehend regelrecht gespalten. Aber schließlich habe man sich doch zusammengerauft. Wie Vinke berichtet, war zunächst fraglich, ob überhaupt neu gebaut oder ob nicht die schon damals jahrhundertealte Alte Rheder Kirche beim heutigen Nikolausstift renoviert und erweitert werden sollte. „Die Alte Kirche war zu klein“, nennt Vinke den Hauptgrund für die Überlegungen. Vinke zufolge lebten vor 100 Jahren in Rhede etwa 2000 Katholiken, die Alte Kirche verfügte aber nur über 565 Sitzplätze. Dabei war der sonntägliche Kirchgang seinerzeit Pflicht. Seelsorger entnervt Bei seinen Recherchen stützte sich der Autor auf das Pfarrarchiv, seinen über Jahrzehnte angewachsenen eigenen Fundus, Informationen aus dem Bistum Osnabrück und das Fotoarchiv des Landwirtschaftsmuseums. Außerdem mussten zwei in Sütterlin beziehungsweise in altdeutscher Schrift verfasste Protokollbücher gelesen und übersetzt werden. So stieß Vinke nicht nur auf die Original-Bauzeichnung des Münsteraner Architekten Wilhelm Sunder-Plassmann, sondern auch auf eine Vielzahl von Rechnungen. Auf den Weg gebracht hatte den Neubau seinerzeit Pastor Josef Schlömann, der sich angesichts der Querelen um Erweiterung, Neubau und Standortfrage jedoch entnervt versetzen ließ. Durchgesetzt wurde das Vorhaben schließlich von seinem Amtsnachfolger Carl Gerhardy. „Er wollte, dass die Finanzierung vor Baubeginn steht“, berichtet Vinke. Das Investitionsvolumen umfasste 158 000 Mark. Die Kirchengemeinde habe das Vorhaben selbst finanziert. Dafür seien alle Rheder angesprochen worden, weiß Vinke. Gut situierte Bauern hätten bis zu 6000 Mark gegeben. „Mit Baubeginn hatte Gerhardy 132 000 Euro zusammen. Der Rest wurde über eine Anleihe finanziert.“ Nirgends sei hingegen erwähnt, dass der Bischof einen Pfennig dazugegeben habe. Streit um Sitzrechte Kurios: Pastor Gerhardy hat Vinke zufolge darauf bestanden, dass die Sitzberechtigungen der alteingesessenen Gläubigen aus der Alten Kirche nicht mit in den Neubau übernommen werden konnten. Vergeblich hätten mehrere Rheder versucht, sich den Erhalt des angestammten Platzes in der Kirchenbank regelrecht zu erkaufen. „Einige hätten lieber 1000 Mark mehr gegeben, um ihre Sitzberechtigung zu behalten“, sagt Vinke. Diskussionen hatte es auch um den Standort für den Neubau gegeben. Die Wahl fiel letztlich auf den Bereich zwischen Sudende und Schulstraße. Dort standen seinerzeit aber drei Häuser, unter anderem das des Tischlers Theodor Läken, der sich dort erst 1889 selbstständig gemacht hatte. Mündlich überliefert ist ein Satz von dessen Frau, der dem Neubau an der gewünschten Stelle den Weg ebnete: „Wenn use Herrgott dor woahnen will, dann goh wie.“ Gesagt, getan. Läken fing, von der Kirche aus seinem bisherigen Standort herausgekauft, an anderer Stelle von Neuem an. Vinke fand außerdem heraus, dass beim Bau der Kirche vertraglich verankert wurde, dass – soweit möglich – örtliche Handwerker und Bauleute mit eingesetzt werden. Bemerkenswert für die damalige Zeit: Während der gesamten Bauphase habe es keinen Arbeitsunfall zu beklagen gegeben. Striktes Alkoholverbot Dazu beigetragen hat möglicherweise ein seinerzeit wohl eher ungewöhnliches Gebot. „Am Bau herrschte striktes Alkoholverbot“, berichtet Vinke. Dass übermäßiger Alkoholkonsum auch in Rhede ein ernstes Thema war, lässt sich daran ablesen, dass es schon damals in der Emsgemeinde eine Abstinentengruppe, das Kreuzbündnis, gab. Fotos aus der Bauzeit gibt es ebenso wenig wie von der Einweihung mit dem damaligen Bischof Dr. Hubertus Voß. Bis heute erhalten geblieben sind hingegen die Festschrift zur Einweihung mit dem Titel „Geschichte des Kirchspiels Rhede“ sowie ein Kelch, den Pastor Gerhardy von seiner Schwester Maria Strecker zur Einweihung geschenkt bekommen hat. Der Neubau, der zwei Weltkriege überstand, zählt zu den großen Wahrzeichen im Emsland. Mit seinem Buch hat Albert Vinke einen weiteren Beitrag zur Rheder Heimatgeschichte geleistet.

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