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Samstag, 24 August 2013 10:30

Höflicher Bürokrat reimt Mahnschreiben zusammen

Druckfrisch: Die ersten Ausgaben des Buchs „Der Rheder Dom“ präsentierten am Donnerstagabend (von links) Karlheinz Fischer, Wilhelm Goldschmidt, Albert Vinke und Josef Fleddermann. Foto: Gerd Schade Druckfrisch: Die ersten Ausgaben des Buchs „Der Rheder Dom“ präsentierten am Donnerstagabend (von links) Karlheinz Fischer, Wilhelm Goldschmidt, Albert Vinke und Josef Fleddermann. Foto: Gerd Schade
Buch zum 100-jährigen Bestehen der Rheder Kirche hat auch Anekdoten parat – Jubiläum mit Bischof Bode Rhede. Der Arbeitsaufwand lässt sich allenfalls erahnen. Das Pfarrarchiv durchstöbern, in Sütterlin verfasste Protokollbücher entziffern, Zeichnungen studieren, Briefe und Rechnungen sichten: Für sein neues Buch „Der Rheder Dom“ hat sich der Heimatforscher Albert Vinke durch unzählige alte Unterlagen gewühlt. Der Einsatz hat sich gelohnt. Entstanden ist ein lesenswertes Werk zur 100-jährigen Geschichte der St.-Nikolaus-Kirche. Zum Auftakt des Jubiläumswochenendes mit Konzert, Festhochamt mit Bischof Franz-Josef Bode und Pfarrfest (siehe Programmübersicht) stellte Vinke das Buch am Donnerstagabend in der Kirche vor. „Heute gibt es keine Bergpredigt, sondern eine Buchpredigt“, sagte Vinke launig, nachdem er vor mehr als 60 Zuhörern ans Ambo trat. Der Autor zeigte sich erfreut, dass er seine Arbeit nach eigenen Vorstellungen durchsetzen konnte. Anlass für das Buch sei eine Bitte des damaligen Rheder Pastors Josef Fleddermann vor etwa einem Jahr gewesen. Nachdem Fleddermann im Herbst versetzt worden war, habe aber auch dessen Nachfolger Karlheinz Fischer voll hinter dem Projekt gestanden.
Wie Vinke ausführte, war der Auslöser für den Neubau der Kirche, dass das alte Gotteshaus zu klein geworden war. „1887 gab es in Rhede 2000 Seelen. Die Alte Kirche hatte aber nur 565 Plätze“. Nachdem die Frage Erweiterung oder Neubau anno 1904 beantwortet war, stritten die Rheder fortan um den Standort. Der damalige Pastor Josef Schlömann ließ sich entnervt versetzen. Sein Nachfolger Carl Gerhardy setzte das Vorhaben schließlich durch. Vinke erinnerte daran, dass an dem heutigen Standort der Kirche seinerzeit drei Häuser standen, darunter das des Tischlers Theodor Läken. Der hatte sich dort erst einige Jahre zuvor selbstständig gemacht. Von Läkens Frau ist ein Satz überliefert, der die Standortfrage schließlich löste: „Wenn use Herrgott hier woahnen will, dann goh wie.“ Läken wurde von der Kirche herausgekauft und fing an anderer Stelle von Neuem an. Bei seinen Recherchen stieß Vinke nicht nur auf die Original-Zeichnung des Münsteraner Architekten Wilhelm Sunder-Plassmann, sondern förderte auch manche Anekdote zutage. So fiel ihm ein Mahnschreiben des Elektrizitätswerkes über einen ausstehenden Betrag von 11,75 Mark in die Hände, das der Buchhalter nicht nur überaus höflich, sondern auch komplett in Versform aufgesetzt hatte. Unterzeichnet war es „mit vorzüglicher Hochachtung“. Und über das Anforderungsprofil des früheren Rheder Pastors Heyers für einen Kaplan ist im Buch unter anderem nachzulesen: nicht zu mager und des Plattdeutschen mächtig. Der hintere Teil des etwa 200 Seiten starken Werkes befasst sich mit den kirchlichen Vereinen in Rhede und dokumentiert den Umfang ehrenamtlicher Tätigkeiten. Wilhelm Goldschmidt vom gleichnamigen Buchdruckverlag in Werlte, in dem „Der Rheder Dom“ erschienen ist, bescheinigte Vinke „Herzblut, Leidenschaft und Sachkenntnis“. Das Buch sei für Rhede und sein Kirchspiel von überragender Bedeutung, sagte Goldschmidt. Das Buch kostet 18 Euro und ist im Pfarrhaus, in den Rheder Geschäftsstellen der Sparkasse Emsland und der Emsländischen Volksbank sowie am Sonntag auf dem Pfarrfest erhältlich.

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